Wirtschaftsförderer erzählen von ihren Erfolgsgeschichten

In unserer Serie „Erfolgsgeschichten aus der Wirtschaftsförderung“ erzählen Kollegen aus ganz Deutschland von ihren großen und kleinen Erfolgen aus dem Arbeitsalltag. Ob erfolgreiche Markenbildung, der Anschluss ans Glasfasernetz oder die Umfrage in der eigenen Wirtschaft mit überraschend positivem Feedback – wir alle haben unsere Erfolgserlebnisse. Und davon erzählen unsere Geschichten.

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Vom digitalen Schlusslicht zum Glasfaser-Champion - Wie Senden sich fit für die Digitalisierung machte

Eigentlich ist ja alles klar: Bis 2018 soll schnelles Internet Flächendeckend in ganz Deutschland zur Verfügung stehen. Der Bund stellt dafür Fördermittel in Höhe von 4 Milliarden Euro zur Verfügung [http://www.bmvi.de/DE/Themen/Digitales/Breitbandausbau/Breitbandatlas-Karte/start.html].  Aber trotz dieser Zuschüsse und dem erklärten Ziel der Bundesregierung ist von allen Beteiligten vor Ort viel Einsatz und Eigeninitiative gefragt, um bis 2018 über zukunftsfähiges Internet für Unternehmen und private Haushalte zu verfügen. Einsatz und Eigeninitiative die sich auszahlen, wie das Beispiel der Gemeinde Senden im Münsterland zeigt.

„Vor dem Breitbandausbau hatten wir massive Klagen von unseren Unternehmern aus den Gewerbegebieten, aber auch von Privatleuten“, erinnert sich Sebastian Täger, der seit 2015 Sendener Bürgermeister ist. Bis zu seiner Wahl war er der Wirtschaftsförderer der Gemeinde. Über die alten Kupferleitungen kam oft nicht mehr als 1 MBit/s in den Außenbezirken an. Diese Geschwindigkeit reicht zum Abrufen der eigenen E-Mails gerade noch aus – allerdings nur wenn sie keinen Anhang haben. An Home Office oder das Versenden von großen Datensätzen im gewerblichen Bereich war nicht zu denken. Zum Vergleich: Schon LTE-Geschwindigkeiten auf dem Smartphone sind heute 50 Mal schneller.

Bürger mussten überzeugt werden
Ein privater Anbieter machte ein Angebot: Der Breitbandausbau sei realisierbar, wenn die Gemeinde es schafft, 40 Prozent der Haushalte und 50 Prozent der Industriebetriebe im Gemeindekern als Kunden vom schnellen Internet zu überzeugen. „Wir wussten, dass wir es schaffen können, wenn wir die richtigen Leute als Fürsprecher gewinnen“, erinnert sich Täger. Um die Quoten zu erfüllen, blieben fünf Monate. „Wir haben die gut vernetzten Leute in der Gemeinde als Multiplikatoren angesprochen, sind in die Vereine gegangen, haben Infoveranstaltungen angeboten und sogar einen Info-Film gedreht.“ [https://www.youtube.com/watch?v=ZHpDAFvwAGw] Der damalige Wirtschaftsförderer und die Bürger der Gemeinde Senden erreichten so die Quote – wenn auch knapp. „Wir mussten ganz schön werben“, erinnert sich Sebastian Täger. „Nachdem es das erste Mal geklappt hatte, stiegen die Quoten in den weiteren Teilprojekten des Ausbaus.“ Später fragten sogar weitere Bürger an, um auch ihren Haushalt nachträglich ans Glasfasernetz anschließen lassen zu können. Das war möglich, weil nun in jeder Straße die neuen Kabel lagen und nur noch die Verbindung von der Straße zum Hausanschluss hergestellt werden musste.

Jeder Haushalt mit Glasfaser-Anschluss
Der Ausbau konnte beginnen. Während der Ausbauphase kamen die Landwirte der Umgebung auf den damaligen Wirtschaftsförderer zu. Auch sie benötigen heute schnelles Internet. Auf einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb entstehen viele Daten, die verwaltet und über das Internet weitergegeben werden wollen. In einer beispiellosen Aktion taten sich 26 Landwirte zusammen und verlegten mit einem eigens konstruierten Glasfaserpflug Kabel zu jedem Hof. Insgesamt erbrachten sie Eigenleistungen im Gegenwert von 100.000 Euro und machten den Anschluss der Höfe so erst möglich. „Nach diesem großen Erfolg wollen wir jetzt in 15 Teilprojekten alle Außenbereiche unserer Flächengemeinde mit Glasfaser erschließen“, erzählt Täger von den nächsten Plänen. „80 Prozent der Anwohner sind schon dabei. Sogar einen Verein haben sie gegründet.“

„Vom Schlusslicht ganz nach vorne katapultiert“
Heute verlegt die Gemeinde standardmäßig Glasfaser in Neubaugebieten. Der Bürgermeister erzählt gern von steigenden Anfragen zu Gewerbeflächen und einem schnelleren Netz – noch ist das ein Standortvorteil, teilweise sogar gegenüber dem benachbarten Münster. „Unser Projekt hat uns vom Schlusslicht NRWs mit den landesweit langsamsten Internetanschlüssen ganz nach vorne katapultiert“, ist er überzeugt.

Jetzt, da Senden flächendeckend über Breitbandanschlüsse verfügt, könnte man meinen, das Thema sei von Tisch. Schnelles Internet ist schließlich in allen Haushalten und Betrieben verfügbar. Doch durch die Glasfaserinfrastruktur öffnen sich für die Gemeinde plötzlich ganz neue Möglichkeiten im Bereich der Digitalisierung.

So werden aufbauend auf der neu geschaffenen Glasfaserinfrastruktur im Rahmen des Projektes „Smart City Senden” Netzwerkprojekte in Schulen initiiert, ein WLAN-Netz im Ortskern geschaffen und die Prozesse der Verwaltung unter dem Stichwort „E-Government” optimiert. „Die Konnektivität, die wir jetzt haben, möchten wir auch sinnvoll einsetzten und somit Mehrwerte für die ortsansässigen Unternehmen und die Bürgerinnen und Bürger schaffen”, erklärt Bürgermeister Täger die Zielsetzung des Projektes.  

Damit der Weg von der Glasfasergemeinde zur „Smart City Senden” gelingt, wurde das Thema „Digitalisierung” auch personell verstärkt. So stockte der Bürgermeister nach den Erfahrungen der letzten Jahre auch die Mittel für die Wirtschaftsförderung auf. Aus einer halben Stelle wurden zwei Vollzeitstellen. Ziel ist es, die Digitalisierung hierdurch deutlich voranzutreiben.


Von links nach rechts: Melanie Baßenhoff (Gemeinde Senden), Dirk Witte (Cisco), Bürgermeister Sebastian Täger, Gerda Meppelink (Deutsche Glasfaser), Marc Füstmann, Klaus Mende (Gemeinde Senden)
 


Von links nach rechts: Niklas Esser, Melanie Baßenhoff, Jana Bergmann, Bürgermeister Sebastian Täger, Marcus Thies