Wirtschaftsförderer erzählen von ihren Erfolgsgeschichten

In unserer Serie „Erfolgsgeschichten aus der Wirtschaftsförderung“ erzählen Kollegen aus ganz Deutschland von ihren großen und kleinen Erfolgen aus dem Arbeitsalltag. Ob erfolgreiche Markenbildung, der Anschluss ans Glasfasernetz oder die Umfrage in der eigenen Wirtschaft mit überraschend positivem Feedback – wir alle haben unsere Erfolgserlebnisse. Und davon erzählen unsere Geschichten.

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„Sag was, immer wieder – sonst nimmt dich niemand wahr!“ - Warum es nichts bringt, auf Ansiedlungen bloß zu warten, und wie es besser geht

Warum es nichts bringt, auf Ansiedlungen bloß zu warten, und wie es besser geht

Industriestandorte mit wirklich starker „Marke“ gibt es in Europa höchstens eine Handvoll. Am schnellsten fallen uns Handelsstädte wie Rotterdam oder Amsterdam ein. Standorte wirklich als Marken zu begreifen, hat sich vielerorts noch nicht durchgesetzt – dabei hat es sich bewährt. Das beweisen uns die Kollegen vom Tourismus-Marketing: Hier hat fast jeder Tourismus-Hot Spot Logo, Claim und Budget zum Kommunizieren.

Warum sind so wenige Industriestandorte überregional bekannt? „Weil die professionelle Vermarktung von Industrieflächen nur selten kontinuierlich betrieben wird“, sagt Ludger Tieke, „um bei Investoren anzukommen, brauchen Kommunen Ausdauer und Durchhaltevermögen – das bringen viele nicht mit.“ Tieke ist mit seinem Team für die Vermarktung des IndustriePark Lingen verantwortlich. Hier wird seit mehr als zehn Jahren mit langem Atem gearbeitet – und das zahlt sich eben aus.

Kommunen geben viel Geld für den Ausbau ihrer Gewerbeflächen aus. Sie bemühen sich um kurze Wege per LKW, Schiff und Flugzeug und sorgen für schnelle Glasfaserverbindungen. Dann aber vernachlässigen sie das Kommunizieren ihrer Vorzüge. Punktuelles Marketing ist die Folge. Vielmehr müsste aber fortlaufend und stetig das angebotene Produkt bzw. die Marke über alle Medienkanäle kommuniziert werden. Die Arbeit ist also nicht getan, wenn ein Gewerbegebiet ausgewiesen ist – sie fängt gerade erst an.

Die über 55.000 Einwohner zählende Stadt Lingen (Ems) vermarktet ihren Industriepark seit über zehn Jahren fast idealtypisch. „Lingen hat viele echte Stärken. Hier entwickeln Weltmarktführer neue Produkte, Fachkräfte lernen an unserer Hochschule, junge Familien können sich Wohneigentum leisten“, sagt Tieke. Die Stadt ist attraktiv auch für die ganz großen Investoren. Genau für diese Unternehmen wollte die Stadt Anfang der 2000er Jahre ein Angebot schaffen.

Sie legte mit einem neuen Rahmenplan für große Freiflächen südlich des Stadtzentrums den Grundstein für einen der europaweit reizvollsten Gewerbegebiete: Über 100 Hektar Fläche, davon bis zu 33 Hektar zusammenhängend, stehen Unternehmen in Nachbarschaft zum Kraftwerksbetreiber RWE und branchenführenden Mittelständlern zur Verfügung.

Um die Flächen reichweitenstark vermarkten zu können und Gehör bei Investoren zu finden, wurde die Marke „IndustriePark Lingen“ kreiert. Ludger Tieke erklärt: „Uns war wichtig, dass wir potenzielle Investoren nicht nur identifizieren, sondern auch mit einem überzeugenden Angebot auf sie zugehen können. Dazu brauchten wir nicht nur ein überzeugendes Angebot, sondern auch eine starke Marke“.

Die Wirtschaftsförderer der Stadt ließen ein Konzept zur Investoren-Ansprache erstellen. Gemeinsam mit ihren Beratern identifizierten sie über 4.500 wichtige Kontakte, die heute regelmäßig angesprochen werden. Dadurch gibt es jedes Jahr mehrere Ansiedlungsanfragen, die schnell bearbeitet werden müssen. „Manchmal bleiben nur wenige Tage, um komplizierte, technische Sachverhalte zu klären. Dann müssen alle an einem Strang ziehen – von der Wirtschaftsförderung, über die Stadtwerke, bis zu den externen Dienstleistern“, erklärt Tieke.

Der IndustriePark setzt als Marke auch eigene Themen, um sich einen Namen zu machen. Im vergangenen Jahr fand bereits zum siebten Mal das Unternehmensforum statt. Eine Veranstaltung, auf der die Verwaltung mit Unternehmen, Bürgern, Politikern und Wissenschaftlern über Zukunftsthemen diskutiert. So bleibt die Stadt Lingen in der Region und darüber hinaus im Gespräch. „Mit der Veranstaltungsreihe setzten wir selbst Themen. Ich will den Kollegen in anderen Wirtschaftsförderungen sagen: Sag was, immer wieder – sonst nimmt dich niemand wahr!“

Ansiedlungen gelingen nicht auf Knopfdruck. Aber ob Investoren einen Standort wahrnehmen oder nicht, liegt immer in der Verantwortung der jeweiligen Kommune. Auch wenn in Lingen an der Ems die eine große 100-Millionen-Euro-Neuansiedlung noch nicht gelungen ist, bekennen sich die bereits angesiedelten Unternehmen vor Ort nachhaltig, immer wieder zu ihrem Standort und loben seine Vorzüge. Das gelingt auch, weil aus einer Hand kommuniziert wird und die Unternehmen vor Ort ihre Ansprechpartner kennen und schnell erreichen. Gerade in diesem Jahr wurden verschiedene Erweiterungen mit einem dreistelligen Millionenvolumen und Schaffung von weiteren mehr als 150 neuen Arbeitsplätzen bekannt gegeben.

Ludger Tieke, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Stadtverwaltung Lingen (Ems)

Ludger Tieke, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Stadtverwaltung Lingen (Ems)